Unweit der Landstraße liegt ein verbeultes Autowrack in der kalifornischen Wüste. Im Inneren hängt eine tote Frau im Gurt; der Wagen hat sich überschlagen. Aber bald schon stellt sich heraus, dass das keineswegs die Todesursache gewesen ist. Wie Police Detective Marty Metakawich (Charly Day) ermittelt, wurde das Opfer erstochen und der Unfall im Nachhinein arrangiert.

Von den ersten Einstellungen an fühlt man sich stilistisch an Filme wie FARGO (1996) oder mehr noch NO COUNTRY FOR OLD MEN (2007) erinnert – die großen Hits aus dem gemeinsamen Backkatalog von Joel und Ethan Coen. Nur dass hier starke Frauen den Ton angeben. Allen voran die Privatdetektivin Honey O’Donahue (Margaret Qualley), die mit rauchiger Stimme, aufrechtem Gang und skeptischem Blick in stets gebügelter Garderobe die Szenen dominiert.

Margaret Qualley als Honey O’Donahue, die mehr als nur einen Fall zu klären hat. Bild: (c) 2025 Focus Features LLC

Margaret Qualley ist zurück

Bei HONEY DON’T! handelt es sich um den zweiten einer Reihe lose verknüpfter B-Movies mit Frauen liebenden Protagonistinnen. Regisseur Ethan Coen, der jüngere der legendären Filmemacherbrüder hat inszeniert und – wie bereits bei DRIVE-AWAY DOLLS aus dem Vorjahr – gemeinsam mit seiner Ehefrau Tricia Cooke das Drehbuch verfasst.

Wieder steht Margaret Qualley – zuletzt unter anderem in POOR THINGS oder THE SUBSTANCE zu sehen – als so offensiv wie beiläufig lesbische Antiheldin im Zentrum des Geschehens. Und doch ist alles auf wohltuende Weise etwas anders als beim enttäuschenden Vorgängerfilm.

In dem war ein ungleiches Frauenpaar Ende der 1990er Jahre auf der Flucht von Pennsylvania in den Süden der USA . Alles drehte sich um einen Koffer voller überdimensionierter Dildos als gleichermaßen an Hitchcock wie an Tarantinos PULP FICTION (1994) erinnerndem MacGuffin. Er hatte die Aufgabe, die Handlung voranzutreiben, deren hysterisch-klamaukige Episoden sich nicht wirklich zum stimmigen Ganzen rundeten.

Coen war so sehr damit beschäftigt, Einstellungen aus früheren, weitaus gelungeneren Werken zu recyceln und um sexuelle Inhalte anzureichern, dass der Film den größten Teil des in ihm enthaltenen Potenzials verpuffen ließ. Zu diesem zählte neben einigen tollen Kamerafahrten insbesondere das intensive Auftreten Qualleys.

Diva alter Schule

Das ist auch beim zweiten Wurf wieder eine der Hauptattraktionen. Bisweilen wirkt es, als schwebe sie wie ein Hollywooddiva alter Schule durch das atmosphärisch dichte schwarzhumorige Neo-Noir.

Das heißt aber nicht, dass es ihrer Honey oder dem Film an aktueller Meinungsstärke fehlt. So lässt die Detektivin es sich beispielsweise nicht nehmen, den MAGA-Autoaufkleber eines frauenprügelnden Schurken, den sie schmerzhaft in seine Schranken verwiesen hat, freudig mit queerfeministischen Parolen zu überkleben.

Trotz aller Klarheit, was ihre sexuellen Ausrichtung angeht, ist es ein running gag des Films, dass Männer ihren bei jedem Versuch einer Anmache geäußerten Satz, dass sie nun mal Frauen bevorzuge, gar nicht erst zu hören scheinen.

Dafür findet die Polizistin MG Falcone (Aubrey Plaza), die in den Tiefen des Polizeiarchivs arbeitet, schon das Klackern ihrer hohen Schuhe betörend – so werden beide, wenigstens für einige Nächte, ein Paar. Nebenbei beschafft MG für Honey Informationen über die Tote aus der Wüste. Sie führen zur evangelikalen Sekte von Reverend Drew Dewlin (Chris Evans).

Kleinstadt im Niedergang

Der telegene Prediger ist der Star einer durchchoreografierten Religions-Show; wobei er seine Stellung hauptsächlich dazu nutzt, um bedürftige weibliche Gemeindemitglieder für SM-Spielchen ins Bett zu bekommen. Außerdem ist er in Drogenhandel und andere kriminelle Machenschaften verstrickt, was weitere, teils groteske Fälle von Mord und Totschlag nach sich zieht.

So weit so genretypisch. Doch dann ist da noch die äußerst gelungene Einbettung der glaubhaften Figuren in die Verlorenheit der Kleinstadt in der Wüste. Hier bleibt außer Scheinheiligkeit, Sucht und Waffenfetischismus nicht viel, um vom Niedergang und der Schäbigkeit des Gemeinwesens abzulenken. Nur wenigen gelingt es da, nicht in der einen oder anderen Form abzustürzen.

Vorbilder, Enttäuschungen und Hoffnung

Honey selbst ist angelegt wie ein Detektiv bei Chandler und seinen Nachfolgern. Ihre Aufträge bearbeitet sie mit viel Gespür für die Hoffnungen und Ängste derjenigen, die in die Fälle verwickelt sind. Dabei ist sie genauso moralisch wie desillusioniert. Potenziellen Klienten rät sie schon mal von Nachforschungen ab, wenn sie ahnt, dass Aufklärung nur zu noch mehr Ärger führen würde – was sich dann umgehend grausig bewahrheitet.

Wie im klassischen Film Noir bleiben verschiedene Handlungsstränge zuletzt konsequent nebeneinander stehen, ohne dass eine Lösung notwendigerweise alle Details miteinander verbindet. Wobei der eigentliche Nährboden der gewalttätigen Verwicklungen das Milieu ist, in dem sich die Figuren bewegen.

Nicht alles darin kann von allen durchschaut werden; manchmal täuscht man sich gerade in denjenigen, die einem besonders nah sind. Aber immer wieder findet sich eine neue Hoffnung, zumindest auf ein wenig interessante Zweisamkeit.


HONEY DON’T! (USA/Großbritannien 2025, 89 min.) Regie: Ethan Coen. Buch: Ethan Coen und Tricia Cooke mit Margaret Qualley, Chris Evans, Aubrey Plaza u. a.