Bisher ist der Jahresstart vor allem geprägt von Nachrichten, die wohl nur „Apokalytiker und Fans von grotesken Splatter-Filmen froh stimmen“ können, wie es Manja Präkels und Markus Liske in ihrem WORT & TON-Newsletter formulieren. Da kann man es schon als Lichtblick werten, dass BLOOD AND SINNERS von Ryan Coogler zumindest von hier aus völlig überraschend mit dem Rekord von 16 Nominierungen zum ganz großen Favoriten der diesjährigen Oscar-Saison avanciert ist. Der Film mit mehrheitlich schwarzem Cast ist komplex, voller Anspielungen und spart nicht mit Kritik an den rassistischen Zuständen im Land der White Supremacy.

Eine kompetente Auflistung, was insgesamt an den diesjährigen Nominierungen gut und was schlecht ist, bietet dieser Artikel des Contrarian. Über einige Filme wurde selbstverständlich auch auf weltwundern berichtet, etwa über ONE BATTLE AFTER ANOTHER oder SENTIMENTAL VALUE. Über HAMNET habe ich für die Jungle World geschrieben, bin aber noch nicht dazu gekommen, das hier einzustellen.
Die Begeisterung des Contrarian für WICKED: FOR GOOD und THE TESTAMENT OF ANN LEE allerdings kann ich nicht teilen. Bei letzterem musste ich sogar die Pressevorführung frühzeitig verlassen, da ich mich – bei allem Verständnis für die Anliegen der Filmemacher:innen und bei aller Freude an Tanz- und Gesangseinlagen – nicht dafür erwärmen konnte, mich gut zwei Stunden von religiösen Eiferern indoktrinieren zu lassen. Die Geschichte der Shaker zu erzählen mag von berechtigtem Interesse und angesichts aktueller Entwicklungen sogar notwendig sein … aber da muss sich doch jemand anders mit beschäftigen.
Was mich darauf bringt, dass es auf weltwundern für 2025 gar keine Top Ten gegeben hat. Darin gefunden hätten sich außer BLOOD AND SINNERS und ONE BATTLE AFTER ANOTHER in jedem Fall (in no particular order) SIRÂT, IN DIE SONNE SCHAUEN, THE MASTERMIND, VERMIGLIO, NOSFERATU – DER UNTOTE, DER FREMDE und BIRD wahrscheinlich LIKE A COMPLETE UNKNOWN, vielleicht MICKEY 17, HONEY DON’T und CAUGHT STEALING. Platz eins jedenfalls – logisch: Julian Radlmayers SEHNSUCHT IN SANGERHAUSEN. An mit vorbeigegangen ist leider THE SECRET AGENT.