„Klopf, klopf!“ Der Geist Mary Shelleys (wie die Hauptrolle Ida/die Braut vekörpert von everybody’s darling Jessie Buckley) sucht einen Körper. Die frühromantische Autorin von „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ möchte die Mär ihres vom Menschen geschaffenen Monsters weitererzählen. Diese fand dereinst in den Flammen ein allzu abruptes Ende – und über die Rolle der Frauen ist darin, wie sie findet, noch so gut wie gar nichts gesagt worden. Ihre Wahl fällt auf Ida, ein leichtes Mädchen mit außergewöhnlichem Wortschatz, das sich im Chicago der 1930er Jahre in gefährlicher Mission im Umfeld eines Mobsterbosses herumtreibt.

Wie es kommen muss, bezahlt Ida ihre Kühnheit bald mit dem Leben, das sie in einem genüsslich inszenierten Treppensturz in exquisitem Horror-Slapstick aushaucht. Zeitgleich sucht Frankensteins Monster, genannt Frank (Christian Bale), das sein entstelltes Gesicht hinter einem Schal verbirgt, ebenfalls in Chicago Dr. Euphronius (Annette Bening) auf. Es hat seine nunmehr über ein Jahrhundert andauernde Einsamkeit satt und bittet die geniale Wissenschaftlerin, ihm eine Gefährtin zu schaffen.

Tourettegesänge

Euphronius ist fasziniert von der sensibel über ihre Befindlichkeit Auskunft gebenden Kreatur. Gemeinsam reanimieren sie Ida, die sie nachts aus ihrem Armengrab buddeln. Doch bis sich die Braut, die sich an wenig oder nichts aus dem Leben vor dem Unfall erinnert, in ihre Rolle findet, braucht es eine Menge guten Zuredens und gemeinsamer Abenteuer mit Frank. Immerhin Idas ausuferndes Vokabular lässt die Braut aber regelmäßig in herrlich sexualisierten Schimpfkanonaden auf die Umwelt los.

Frankensteins Braut (Jessie Buckley) . Foto: © 2026 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved

Angelehnt an „Frankensteins Braut“ (1935) von James Whale, einen der Klassiker des gotischen Horrorfilms und oft als deren schönster bezeichnet, zieht Maggie Gyllenhaal in der Inszenierung ihres zweiten Spielfilms als Regisseurin alle Register. Opulent ausgestattete Ballsäle, dekadente Lokale, dunkle Straßenzüge und Steam-Punk Labore dienen als Kulissen für Wortgefechte, Momente des Körperhorrors, durchchoreografierte Massentanzszenen und Schießereien.

Cinephilie unter Monstern

Aber auch Filmtheater – ob in der Windy City, am Time Square in New York oder als Autokino in der Provinz – geben die Kulisse für die Suche der Monster nach Schönheit und dem Guten ab. Denn wie ihre Regisseurin sind sie Cinephile. Was sie hingegen erleben, wenn sie sich in die Gesellschaft von realen Menschen begeben, sind vor allem lüsterne Übergriffe und Gewalt: Erfahrungen, die die Monster in ihnen wecken und die Außenseiter miteinander verbinden.

Bald haben sie, während sie sich ihrer narbigen beziehungsweise verfärbten Haut erwehren, die ersten Toten auf dem Gewissen. Und schnell heftet sich nicht nur der eine oder andere Mob, der sie lynchen will, an ihre Fersen, sondern auch das FBI in Gestalt der Detektive Jake Wiles (Peter Sarsgaard) und Myrna Mallow (Penélope Cruz).

Emanzipation im Nebenstrang

Während der vom Leben enttäuschte Wiles sich als alter Bekannter der Braut erweist, ist Mallow eine der ersten Polizistinnen, die sich daran machen, die Karriereleiter zu erklimmen. Da Emanzipation im Polizeidienst back in the days kaum Unterstützung findet, kann sie die Ermittlungen zunächst nur im Namen ihres Kollegen führen. Doch irgendwann gibt der auf und lässt sie machen, was ihr zu einem ganz eigenen Moment des Triumphs verhilft.

Zusätzliche Verfolger werden in einem weiteren Nebenstrang in Anlehnung ans Gangsterkino des amerikanischen Film Noir als humorig-grimmige Paten samt Vasallen geschildert. Doch auch Aktualisierungen dieses Genres werden mitbedacht: Die Massen von wild aufbegehrenden Frauen, die sich als Fans der Braut outen, indem sie ihre Gesichter tätowieren oder schminken, um ihrer entstellten Heldin zu ähneln, sind deutlich von Todd Phillips „Joker“-Filmen inspiriert.

Es gibt also viele Motive und Ideen, die sich einerseits ans Kino und seine Traditionen anschmiegen, andererseits aber auch Themen wie Selbstfindung und Selbstermächtigung ins Geschehen integrieren wollen. Hierfür nutzt Gyllenhaal immer wieder aktuelle Buzzwords, die sich trefflich in die erregten Wortkaskaden der Braut einfügen oder, wenn es emotionaler werden soll, auch singen lassen. So schmettert Jessie Buckley in einer finalen Tanzszene voller Inbrunst ihr persönliches „Me too!“

Krawalliges Pastiche mit großen Momenten

Mit entfesselter Kamera, ebensolchen Darstellern und ausgiebigem Musikeinsatz gelingt es einige Male, aus diesen Zutaten Lacher, eine gewisse Anmut und bedeutungsschwangere Momente zu generieren. Dann allerdings wirken die Teile des Films zwischen den Höhepunkten bisweilen lieblos aneinandergereiht; dass sich ein Horror-Musical nicht unbedingt um Plausibilität sorgen muss, ist da nur eine Seite der Medaille.

Die andere ist, dass man sich mehrfach fragen muss, ob Kamerabewegungen wirklich vor allem dazu dienen sollten, dem Publikum zu zeigen, dass keine der auftretenden Figuren vom Drehbuch unterwegs vergessen wurde. Das wirkt auf die Dauer ermüdend, und die nachvollziehbaren oder gar begrüßenswerten Ansätze, die mit einigen monstermäßigen Zumutungen für sensiblere Zuschauer abwechseln, verbinden sich nicht zum überzeugenden Ganzen. Es bleibt beim krawalligen Pastiche.

THE BRIDE! – ES LEBE DIE BRAUT (USA 2026, 126 min) Regie und Drehbuch: Maggie Gyllenhaal. Mit Jessie Buckley, Christian Bale, Penélope Cruz u. a.