Film & Politik, Monster, Blut und Lakonie

Selbstverständlich braucht jede Berlinale einen Skandal. Um den zu kreieren, lassen sich Pressekonferenzen nutzen, auf denen Aktivisten durch Suggestivfragen für ihre Glaubenssache Aufmerksamkeit schaffen, statt sich mit dem zu beschäftigen, was an Kunst und politisch-ästhetischer Einlassung konkret vorliegt. Denn faktisch ist die Berlinale in ihrer Programmierung sowieso bemüht, möglichst alle Konflikte der Welt abzubilden, zur Diskussion zu stellen und sich zu ihnen zu positionieren. Besser ist es allerdings, wenn das eher im Bad-Bunny-Superbowl-Style als in einer an Truth-Social erinnernden GROSSBUCHSTABEN-HYSTERIE geschieht. Außerdem: Auf dem Filmfest gibt es doch Monsterfilme.
Mehr lesen

Kannibalen und Spinner

Vom Verlorensein des Heranwachsens lässt sich auf ganz unterschiedliche Arten erzählen. Luca Guadagnino hat sich vor allem mit „Call me by your Name“ als Meister dieses Fachs erwiesen. Auch im aktuellen Wurf „Bones and All“ umkreist er einfühlsam eine aufkeimende Liebe. Diesmal jedoch sind die Protagonisten keine wohlsituierten Akademikersprößlinge, sondern gehören der ländlichen weißen amerikanischen Unterklasse an. Erschwert wird ihr sowieso nicht ganz einfaches white trash-Dasein zusätzlich durch eine weitere Besonderheit: Sie sind „Esser“. Durch den ererbten Hunger nach Menschenfleisch sind sie als schlechthin anders und nicht akzeptabel gebrandmarkt. Mehr lesen