Unruhen in Europa

Im Winter kommt Regen über Europa. Kälte gibt es 2031 nicht mehr. Im Januar beobachten die Menschen, wie Bäume austreiben und fühlen sich in ihren T-Shirts desorientiert. Aber nicht nur das Klima schlägt in Marius Goldhorns zweitem Roman „Die Prozesse“ Kapriolen. Auch politisch ist der Kontinent in Aufruhr. Wie bereits in seinem Erstling „Park“ schildert Goldhorn die Konflikte seiner Figuren – hier ein weltanschaulich kaum harmonierendes Männerpaar – in klaren kurzen Sätzen, tief verstrickt in reale Entwicklungen unserer Zeit. Mehr lesen

The German – Opfer oder Nazischerge?

Was nach einer immer aktuellen Frage klingt, steht hier für die Leitidee der neuen israelisch-amerikanischen Serie THE GERMAN aus der Feder von unter anderem Moshe Zonder, der auch an den Drehbüchern von FAUDA mitgeschrieben hat. Entstanden in einem Land im Krieg beschäftigt sich das Familien-, Geschichts- und Sozialdrama damit, mit wieviel Geheimnissen und Verdrängung man leben kann, bis zwangsläufig neue Schuld entsteht. Mehr lesen

Frisch in den Sommer

Bevor mit den beiden frisch gekürten Prix du Jury-Gewinnern aus Cannes, SIRAT (Starttermin: 14.8.) und IN DIE SONNE SCHAUEN (28.8.), Filme anlaufen, die Erwartungen brechen und die Emotionen der Betrachtenden gekonnt in Unruhe versetzen, kommt mit FRISCH von Damian John Harper eine kleine dreckige Genreperle ins Kino, wie es sie in Deutschland höchstens alle paar Jahre einmal gibt. Triggerwarnung: Sie enthält Gewaltszenen, die sicher nicht für allzu sensible Gemüter geeignet sind. Mehr lesen

Blut ist im Schuh

Mit THE UGLY STEPSISTER legt die norwegische Regisseurin Emilie Blichfeldt ein thesenhaft-brachiales Spielfilmdebut vor. Ihre Adaption des Märchens „Aschenputtel“, für die sie auch das Drehbuch geschrieben hat, siedelt sie stilistisch auf der Grenze zwischen Body Horror und (ost-)europäischem Märchenfilm an. Das liegt nahe, geht es ihr doch darum auszumalen, welche Qualen es für Frauen bedeutet, sich mit ihren Körpern patriarchal geprägten Vorstellungen von Identität und Schönheit zu unterwerfen. Ganz neu ist diese sicher immer berechtigte Kritik nicht, etwas mehr Subtilität hätte dem Film und Blichfeldts Anliegen gutgetan. Mehr lesen

Meisterlich flach

Mit seinem 12. Film DER PHÖNIZISCHE MEISTERSTREICH erreicht Wes Anderson einen neuen Gipfel seiner Kunst, die heute zu einem großen Teil darin besteht, nun ja, Wes-Anderson-Sachen zu machen. Das ist wie immer unterhaltsam, skurril, lustig, stellenweise gar makaber und selbstredend stilsicher. Insgesamt gerät die im Vergleich zu den Vorgängern recht geradlinig erzählte Fabel über raubtierhaften Durchsetzungswillen und sentimentale Selbstbefragung jedoch zur allzu routinierten Spätkolonialismus-Klamotte. Mehr lesen