Dudelsäcke gegen Traumata – neues vom galizischen Kino

Dudelsäcke gegen Traumata – neues vom galizischen Kino

Zuletzt spielte Carla Simóns „Romería – Das Tagebuch meiner Mutter“ (2025) an der niederschlagsreichen Küste rund um die nordwestspanische Hafenstadt Vigo. Schon 2022 siedelte Rodrigo Sorogoyen seinen Stadt-Land-Ökothriller „Wie wilde Tiere (As Bestas)“ (2022) in den Bergen derselben Provinz an. Außer an der galizischen Filmförderpolitik kann das durchaus daran liegen, dass sich sperrigere Stoffe hier wie von selbst in die Landschaft mit ihren wortkargen Menschen einzuschmiegen scheinen. Um Daniel Sánchez Arévalos Feelgood-Movie, in dem eine traditionelle Rondalla zur Traumaarbeit genutzt wird, genießen zu können, hilft es allerdings, wenn man Dudelsäcke mag. Mehr lesen

Vom Schauwert der Medusen: GORGONÀ

Vom Schauwert der Medusen: GORGONÀ

Eine Stadt im Schatten einer Ölraffinerie, ein Racket toxischer Männer aus der Petroökonomie. GORGONÀ zeigt ein Griechenland der nahen Zukunft, in der viele der Menetekel unserer Gegenwart banale Realität geworden sind. Dagegen lässt Evi Kalogiropoulous ihre Protagonistinnen mit Verve lasziv ankämpfen. Aber sowohl sie als auch die Logik des Films scheinen die meiste Zeit über allzusehr in die (Seh-)Gewohnheiten verstrickt, die sie umgeben. Mehr lesen

Aufwachsen in der Porno-Branche: TRULY NAKED

Aufwachsen in der Porno-Branche: TRULY NAKED

Fast gelingt Autorenfilmerin Muriel d’Ansembourg mit ihrem ersten Langfilm ein Kunststück: eine Coming-of-Age-Erzählung, die aus den Untiefen einer Branche berichtet, in der Körper und Menschen noch relativ unreglementiert ausgebeutet werden. Doch ihre Beschäftigung mit haus- und im Familienbetrieb gemachter Internetpornografie fällt zuletzt auf mehreren Ebenen auf die Logik herein, die sie eigentlich kritisieren möchte. Das ist schade, da ihre Protagonisten genau wie deren junge Darteller:innen eigentlich rundum überzeugen können. Mehr lesen

Alles allein machen: ICH VERSTEHE IHREN UNMUT

Alles allein machen: ICH VERSTEHE IHREN UNMUT

Kilian Armando Friedrichs ICH VERSTEHE IHREN UNMUT berichtet in dokumentarischer Anmutung von moralischen und anderen handfesten Dilemmata in der deutschen Arbeitswelt. Anhand der Erfahrungen einer tatsächlichen Objektleiterin im Reinigungsgewerbe entwickelt er die Geschichte einer Protagonistin, die zwischen Konkurrenzdruck und Empathie für die Angehörigen ihrer Truppe schier zerrissen wird. Ambivalent und spannend, einer der Höhepunkte im Panorama der diesjährigen Berlinale. Mehr lesen

Vicky Krieps: Love Me Tender

Vicky Krieps: Love Me Tender

Weil ihr Lebensstil nicht kindgerecht sei, versucht ihr Ex Clémence (Vicky Krieps) das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn zu entziehen. Gemein und letztlich chancenlos – aber die Mühlen der Justiz mahlen auch in Frankreich behäbig. So ergeben sich in Anna Cazenave Cambets Drama LOVE ME TENDER über den Verlauf der Untersuchung Jahre, in denen die Protagonistin fast keinen Kontakt zum Kind hat. Trotz thematischer Schwere mitreissendes Schauspieler:innenkino mit herausragender Hauptdarstellerin. Mehr lesen

Klang und Berührung – THE HISTORY OF SOUND

Klang und Berührung – THE HISTORY OF SOUND

In THE HISTORY OF SOUND bringt der südafrikanische Regisseur Oliver Hermanus zwei der derzeit gefragtesten Schauspieler als Paar zusammen. Paul Mescal wird immer wieder als nächster James Bond gehandelt und hat für seine Rolle als junger Vater eines Teenagers in AFTERSUN sehr zu Recht einen Oscar erhalten. Der enigmatische Spitzbube Josh O’Connor überzeugte zuletzt bei Kelly Reichardt und Alice Rohrwacher. Mehr lesen

Romería oder die Gespenster von El Caballo

Romería oder die Gespenster von El Caballo

Der neue Film von Carla Simón ist lang erwartet worden. Bei den spanischen Filmpreisen ging er zur Überraschung vieler leer aus. Wie die Vorgänger ALCARRÀS und FRIEDAS SOMMER, mit denen er eine lose geknüpfte Trilogie bildet, beruht er zum Teil auf eigenen Erfahrungen der Filmemacherin. Wieder erzählt er von einem spannenden Abschnitt der neueren spanischen Geschichte. Dennoch fehlt ihm etwas vom frischen Glanz, der Simóns Werk bisher auszeichnete. Und am Ende erzählt er gerade da zu konventionell, wo es aufregend werden könnte. Mehr lesen

Die Schönheit des Zweifels

Die Schönheit des Zweifels

Paolo Sorrentino stellt einen alternden Ministerpräsidenten in den Mittelpunkt seines neuen Werks. Da er aus dem Amt ausscheidet, hat er kaum mehr relevante Aufgaben. Doch was es noch zu tun gibt, bereitet ihm Kopfzerbrechen. Seine Tochter hält ihn daher für entscheidungsschwach. Er hingegen verteidigt seine Zweifel als grundlegend. Zudem treibt ihn eine ganz andere Frage um. Auch wenn Sorrentino seine moralphilosophischen Kapazitäten ein weiteres Mal eine Spur zu ernst nimmt, gelingt ihm mit LA GRAZIA ein schwebender Film voller anrührender Momente. Mit einem Protagonisten, der trotz zunächst steifer Fassade sehr lebendig ist. Mehr lesen

Das Kino verbessern – Filme machen

Das Kino verbessern – Filme machen

Manchmal gibt es Filme, die sind so leicht und einnehmend, dass sie wirken, ohne dass man interpretieren oder nachdenken müsste. Angelehnt ans Frühwerk Jean-Luc Godards zeichnet Richard Linklater in NOUVELLE VAGUE die Entstehungsgeschichte von dessen Debut AUSSER ATEM nach. Dafür hat er für alle damals Beteiligten überzeugende Darsteller:innen gefunden, die die Sache mit so viel Verve angehen, dass es mögliche Schwachstellen oder Ungenauigkeiten einfach vergessen lässt. Getreu eines der unzähligen Bonmots JLGs, dass man einen Film machen müsse, um einen bestehenden zu kritisieren, verlässt man das Kino nach 106 Minuten mit dem Wunsch, genau das am besten sofort zu tun. Aber dazu demnächst mehr. Mehr lesen

Es lebe die Braut!

Es lebe die Braut!

Krawalliges Pastiche: in ihrem Remake des Horror-Klassikers FRANKENSTEINS BRAUT von 1935 zieht Maggie Gyllenhaal bei Besetzung und Ausstattung alle Register. Auch feministische Slogans und Me Too-Reminiszenzen finden sich. Dennoch gelingt der Regisseurin weder ein politisch relevantes Statement noch ein rundum gelungenes Monster-Musical – es bleibt bei einer Nummernrevue. Mehr lesen