Assimilierung und Untergang 1: Effingers

Von 1931 bis 1950 hat Gabriele Tergit am ihrem Opus magnum, dem Generationenroman „Effingers“ über die Hochzeit und den Untergang des deutschen Judentums, gearbeitet. Er wurden zu Recht mit den „Buddenbrocks“ verglichen und wirkt angesichts der Wiederholung politischer wie kultureller Entwicklungen erschreckend aktuell. Seit einigen Jahren wird die Schriftstellerin nun wiederentdeckt. Neben einer Gesamtausgabe ist nun auch eine Biographie erschienen. Sie lädt ein, sich mit Leben und Werk der überzeugten „neuen Frau“ und Liberalen der 1920er Jahre zu beschäftigen. Mehr lesen

Die Bahn kommt, die Kultur geht

Die Bahn kommt, die Kultur geht

Die B.L.O.-Ateliers am S-Bahnhof Nöldnerplatz sind seit zwanzig Jahren ein Leuchtturmprojekt, was vielfältige Kulturproduktion in Berlin angeht. Vor allem aber arbeiten hier an die hundert Menschen in eigeninitiativ und finanziell weitgehend unabhängig aufgebauten Strukturen. Damit soll Schluss sein. Zumindest, wenn es nach dem Willen der Bahn geht, die Eigentümerin des Geländes ist. Mehr lesen

Anderer Mütter Söhne Bücher

Anderer Mütter Söhne Bücher

Wie immer schreiben auch alle anderen fleißig weiter Bücher. Zum Beispiel Klaus Theweleit, seines Zeichens seit zirka 40 Jahren Theorie-Solitär. Oder Necati Öziri, der es mit seinem Roman „Vatermal“ im letzten Jahr bis auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Verdienter Maßen. Mehr lesen

Himmel, Steine, Tiere, Menschen

Himmel, Steine, Tiere, Menschen

Ab Juni ist das neue Buch da! Himmel, Steine, Tiere Menschen – Neue Blicke auf die Welt im aktuellen Kino. Ich freu mich, weil es wirklich schön geworden ist. Aus dem Klappentext: Vielleicht liegt die große Zeit des Autorenfilms hinter uns. Dennoch gibt es in dieser Sparte filmischen Erzählens in den letzten Jahren immer wieder Momente, in denen man das Gefühl hat, an Befreiungen aus verfestigten Sehgewohnheiten teilzuhaben. Ausgehend von der Frage, wie die Geschichten, die Menschen sich seit jeher über ihre Rolle in der Welt erzählen, mit dem heutigen Zustand unserer Realität zusammenhängen, geht Holger Heiland in seiner Essaysammlung Ansätzen nach, die im aktuellen Kino neue Blicke auf Andere und damit auch die eigene Position ermöglichen. Mehr lesen

Enigma – Evil Does Not Exist

Enigma – Evil Does Not Exist

Im Grünen Salon der Volksbühne läuft Teslokratie. Gefragt wird unter anderem, wie Demokratie weiter funktionieren soll, wenn ihre gewählten Vertreter und Bevollmächtigten sich von einer Techno-Autofabrik abhängig machen, die mehr Probleme aufwirft als sie löst. Und dabei Autokraten wie Elon Musk nicht nur gestatten, Regeln zu übertreten, sondern dafür sogar ein ums andere Mal den Weg ebnen. Etwa, wenn es um Wasservorkommen, ihre Nutzung und den notwendigen Konsens darum geht. Alex Demirović, Philosoph und im Vorstand der ausrichtenden Rosa Luxemburg Stiftung, resümiert: Was man vor allem tun muss, ist immer sagen, was wirklich ist. Ebenfalls um einen Fall von Wasser und seine Nutzung geht es im neuen Meisterwerk von Ryūsuke Hamaguchi „Evil Does Not Exist“. Auch hier gibt es keine einfachen Antworten. Mehr lesen

Prügel und Fäkalsprache

Prügel und Fäkalsprache

Noch ein Doppel. Diesmal zu Frauenpower und dem steinigen Weg zur Emanzipation. Die eher vorhersehbare englische Komödie „Kleine schmutzige Briefe“ nutzt einen verbürgten Kriminalfall der 20er-Jahre des letzten Jahrhunderts für ein familientaugliches Feelgood-Movie um einen Shitstorm lange vor Erfindung des Internets. Stilistisch weit mehr wagt aber Paola Cortellesis Tragikomödie „Morgen ist auch noch ein Tag“. Sie steht in der Tradition der Commedia all’italiana, bedient sich aber auch bei Musical und magischem Realismus. Mehr lesen

Junge Helden I + II

Junge Helden I + II

Zwei Filme mit Jungen-Doppels, allerdings zu ganz unterschiedlichen Themen. In Matteo Garrones Fluchtdrama „Ich Capitano“ durchqueren die heranwachsenden Cousins Seydou und Moussa Wüste und Meer. Dabei zeigt sich, wer an den Migrationsstrecken mit wessen Elend sein Geld verdient und auf welche Netzwerke dennoch gesetzt werden kann. Filmisch ganz anderes Gewicht hat die erzählerisch verrätselt-fragmentiert dargebotene Geschichte der Schüler Minato und Yori in Hirokazu Kore-edas „Die Unschuld“. Dazu trägt auch die Musik des kürzlich verstorbenen Ryūichi Sakamoto ihren Teil bei. Mehr lesen

Kunst, Tod, Liebe – ein Wiedersehen

Kunst, Tod, Liebe – ein Wiedersehen

1998 schuf der bis dahin vor allem als Pop-Videoregisseur bekannte John Marybury einen Film über Francis Bacon. Mit großartigem Cast gelingt ihm eine stilisierte Annäherung an Werk und Wahnsinn des Malerstars und seines Umfelds. Dass es etwas plakativ ausfällt, ist gleichermaßem dem Thema wie Maryburys Vorliebe für Ikonen wie Derek Jarman und David Lynch geschuldet. Und einer starken Fokussierung auf die Idee vom Künstlergenie, für das Tod, Liebe und Werk von jeher zusammengehören. Jetzt kommt der Film erneut in einige Kinos. Mehr lesen

Leider cringe: Ethan Coens Retroroadtrip mit Peniskunst

Leider cringe: Ethan Coens Retroroadtrip mit Peniskunst

Beim ersten Film ohne seinen Bruder Joel greift Ethan Coen stilistisch aufs gemeinsame Frühwerk zurück, dem er eine Prise Sexploitation-Kino der 70er und viel Klamauk beimischt. Allerdings mutet sein Jungsblick auf ein lesbisches Pärchen auf verquaste Art schlüpfrig an. Mehr lesen

Wie der Fluss fließt

Wie der Fluss fließt

Nach der Berlinale ist es wieder Zeit, ins Kino zu gehen. „Only the River Flows“ von Wei Shujun ist ein stilvoller Neo Noir, der viel über den verordneten gesellschaftlichen und ökonomischen Aufbruch im China der 90er Jahre erzählt. Und über die Absurdität des Lebens in der Moderne im Allgemeinen. Mehr lesen