NO OTHER CHOICE – alternativlos leiden

NO OTHER CHOICE – alternativlos leiden

Man-su, der Protagonist in Park Chan-wooks schwarzhumoriger Komödie NO OTHER CHOICE ist ein Meister der Papierherstellung. Als er arbeitslos wird, beginnt ein mörderischer Kampf um eine neue Anstellung. Besonders stark ist das neue Werk Parks, der seit OLD BOY als Aushängeschild einer bildgewaltig grotesken Spielart südkoreanischen Kinos gilt, wenn er in der Darstellung der dem Untergang geweihten Welt der industriellen Papiererzeugung schwelgt. Trotz einiger Manierismen ein weiterer Meilenstein in der Karriere dieses Regisseurs. Mehr lesen

And the Oscar … ist doch für Überraschungen gut

And the Oscar … ist doch für Überraschungen gut

Bisher ist der Jahresstart vor allem geprägt von Nachrichten, die wohl nur „Apokalytiker und Fans von grotesken Splatter-Filmen froh stimmen“ können, wie es Manja Präkels und Markus Liske in ihrem Newsletter formulieren. Da kann man es schon als Lichtblick werten, dass BLOOD AND SINNERS von Ryan Coogler zumindest von hier aus völlig überraschend mit dem Rekord von 16 Nominierungen zum ganz großen Favoriten der diesjährigen Oscar-Saison avanciert ist. Der Film mit mehrheitlich schwarzem Cast ist komplex, voller Anspielungen und spart nicht mit Kritik an den rassistischen Zuständen im Land der White Supremacy. Mehr lesen

Gegen Terror und Verdunkelung: #AllEyesOnIran

Gegen Terror und Verdunkelung: #AllEyesOnIran

Was derzeit im Iran vor sich geht, ist unfassbar. Das Regime setzt massiv Brutalität gegen die Bevölkerung ein, die sich gegen die seit fast einem halben Jahrhundert währende klerikal-faschistische Gewaltherrschaft erhebt. Durch Internetabschaltung versucht es, seine Morde und Gräueltaten vor der Außenwelt zu verbergen. Dennoch solidarisieren sich Exiliraner:innen und Unterstützer:innen weltweit in symbolischen Aktionen und Kundgebungen mit den Aufständischen. An diesem Wochenende zeigt die Initiative „#All Eyes On Iran“ den Film BEHIND THE LIES der iranischen Filmemacherin Mahnaz Mohammadi. Er untersucht, wie schon die Internetsperren im November 2019 systematische Menschenrechtsverletzungen ermöglicht haben. Das Gebot der Stunde lautet: hinsehen und weiterverbreiten. Mehr lesen

WHITE SNAIL: Exorzismus und Strahlen in Minsk

WHITE SNAIL: Exorzismus und Strahlen in Minsk

Mit WHITE SNAIL legt das österreichisch-deutsche Regieduo Elsa Kremser und Levin Peter seinen ersten Spielfilm vor. Wie im Dokumentarbereich haben sie sich in Minsk über zehn Jahre ihren Figuren und deren Themen angenähert. Das Drehbuch entstand in Zusammenarbeit mit den Protagonist:innen, die einander erst beim Dreh kennenlernten. Das Ergebnis hat Kremser und Peter auf Filmfestivals bereits viel Lob und einige Auszeichnungen eingebracht. Mehr lesen

Fremd ist der Fremde in der Fremde

Fremd ist der Fremde in der Fremde

2026 startet mit einem Klassiker. François Ozon, dessen Werk neben Bemerkenswertem allerlei Mittelmaß enthält, hat mit seiner Adaption von Albert Camus‘ berühmtestem Roman „Der Fremde“ ein eigenes Meisterwerk geschaffen. Neben den akkuraten Schwarzweißbildern von Kameramann Manuel Dacosse betören vor allem die beiden Hauptdarsteller:innen Benjamin Voisin und Rebecca Marder. Und ganz zum Schluss fällt einem wieder ein, wie groß das Genie eines Robert Smith einmal gewesen ist. Mehr lesen

Zum Fest im Kino: Die jüngste Tochter

Zum Fest im Kino: Die jüngste Tochter

In Hafsia Herzis DIE JÜNGSTE TOCHTER löst sich eine junge muslimische Frau von ihrer Familie und den Traditionen ihres Herkunftsmilieus. Der queere Coming-of-Age-Film, der weitgehend ohne Dramatisierungen und Klischees auskommt, ist Teil einer kleinen Welle im französischsprachigen Kino. Ihre Filme setzen sich mit Fingerspitzengefühl, gradliniger Inszenierung und tollen Darstellerinnen mit den Fallstricken queerer Lebensentwürfe in unserer aktuellen Gegenwart auseinander. Mehr lesen

Sentimental Value: hyggelig existenzialistisch

Sentimental Value: hyggelig existenzialistisch

Nach DER SCHLIMMSTE MENSCH DER WELT (2021) beschäftigt sich Regisseur und Autor Joachim Trier ein weiteres Mal mit den Wehwehchen gut situierter Menschen in Oslo. Psychologisch grundiert und filmisch grundsolide kommt SENTIMENTAL VALUE wie ein Update der Dramen von Ibsen oder Tschechow daher – garniert mit einem zusätzlichen Spritzer irrer melancholischer Witzigkeit, wie man sie aus frühen Woody Allen-Filmen kennt. Das funktioniert und hat das Werk auf die vorderen Plätze vieler Jahresbestenlisten katapultiert sowie zum Anwärter auf Golden Globes, Europäische Filmpreise und womöglich gar Oscars in der einen oder anderen Kategorien werden lassen. Mehr lesen

Sehnsucht in Sangerhausen – Stolpern durch die Rosenstadt

Sehnsucht in Sangerhausen – Stolpern durch die Rosenstadt

In Julian Radlmaiers neuer Komödie SEHNSUCHT IN SANGERHAUSEN stolpern die Figuren durch tiefe ostdeutsche Provinz. Überragt von einem Abraumberg ist die titelgebende sachsen-anhaltinische Kleinstadt ein Ort, an dem der Regisseur die Gegensätze von Prekariat und Bürgertum, Entwurzelten und Fremdenfeinden, Spiel und Arbeitszwang lustvoll aufeinanderprallen lässt. Geprägt werden seine eigenwilligen Betrachtungen durch den von Radlmaier seit seinem Erstling SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES perfektionierten schrägen Blick auf die Verhältnisse. In diesem Fall zieht sich die fragile Solidarität der Protagonist:innen gar durch die Jahrhunderte. Mehr lesen

Gijón Filmfest: For the Love of Cinema

Gijón Filmfest: For the Love of Cinema

Gefragt, was das Besondere am Filmfest Gijón sei, sagt der amerikanische Regisseur Ira Sachs, hier blieben die Leute länger auf, feierten härter und sprächen mehr über Filme als irgendwo sonst. Recht hat er. Mit der 63ten Ausgabe ist den Machern eine beglückende Feier des jungen Autorenkinos gelungen. Im Retueyos-Wettbewerb gab es einen FIPRESCI Preis für ein frühes Werk eines Filmschaffenden. Mehr lesen

Der Dracula, der gerade noch gefehlt hat

Der Dracula, der gerade noch gefehlt hat

Was? Luc Besson hatte bisher noch keinen eigenen Dracula-Film gedreht? Gibt’s doch gar nicht. Nun hat der Francis Ford Coppola-Ersatz unter den europäischen Filmemachern das nachgeholt. Und dabei in weiten Teilen Francis Ford Coppola zitiert. Und natürlich Elemente aus Fantasy und weiteren Genres dazugepackt. Warum? Wohl weil er es so wollte. Mehr lesen