Vicky Krieps: Love Me Tender

Weil ihr Lebensstil nicht kindgerecht sei, versucht ihr Ex Clémence (Vicky Krieps) das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn zu entziehen. Gemein und letztlich chancenlos – aber die Mühlen der Justiz mahlen auch in Frankreich behäbig. So ergeben sich in Anna Cazenave Cambets Drama LOVE ME TENDER über den Verlauf der Untersuchung Jahre, in denen die Protagonistin fast keinen Kontakt zum Kind hat. Trotz thematischer Schwere mitreissendes Schauspieler:innenkino mit herausragender Hauptdarstellerin. Mehr lesen

Romería oder die Gespenster von El Caballo

Der neue Film von Carla Simón ist lang erwartet worden. Bei den spanischen Filmpreisen ging er zur Überraschung vieler leer aus. Wie die Vorgänger ALCARRÀS und FRIEDAS SOMMER, mit denen er eine lose geknüpfte Trilogie bildet, beruht er zum Teil auf eigenen Erfahrungen der Filmemacherin. Wieder erzählt er von einem spannenden Abschnitt der neueren spanischen Geschichte. Dennoch fehlt ihm etwas vom frischen Glanz, der Simóns Werk bisher auszeichnete. Und am Ende erzählt er gerade da zu konventionell, wo es aufregend werden könnte. Mehr lesen

Die Schönheit des Zweifels

Paolo Sorrentino stellt einen alternden Ministerpräsidenten in den Mittelpunkt seines neuen Werks. Da er aus dem Amt ausscheidet, hat er kaum mehr relevante Aufgaben. Doch was es noch zu tun gibt, bereitet ihm Kopfzerbrechen. Seine Tochter hält ihn daher für entscheidungsschwach. Er hingegen verteidigt seine Zweifel als grundlegend. Zudem treibt ihn eine ganz andere Frage um. Auch wenn Sorrentino seine moralphilosophischen Kapazitäten ein weiteres Mal eine Spur zu ernst nimmt, gelingt ihm mit LA GRAZIA ein schwebender Film voller anrührender Momente. Mit einem Protagonisten, der trotz zunächst steifer Fassade sehr lebendig ist. Mehr lesen

Das Kino verbessern – Filme machen

Manchmal gibt es Filme, die sind so leicht und einnehmend, dass sie wirken, ohne dass man interpretieren oder nachdenken müsste. Angelehnt ans Frühwerk Jean-Luc Godards zeichnet Richard Linklater in NOUVELLE VAGUE die Entstehungsgeschichte von dessen Debut AUSSER ATEM nach. Dafür hat er für alle damals Beteiligten überzeugende Darsteller:innen gefunden, die die Sache mit so viel Verve angehen, dass es mögliche Schwachstellen oder Ungenauigkeiten einfach vergessen lässt. Getreu eines der unzähligen Bonmots JLGs, dass man einen Film machen müsse, um einen bestehenden zu kritisieren, verlässt man das Kino nach 106 Minuten mit dem Wunsch, genau das am besten sofort zu tun. Aber dazu demnächst mehr. Mehr lesen

Es lebe die Braut!

Krawalliges Pastiche: in ihrem Remake des Horror-Klassikers FRANKENSTEINS BRAUT von 1935 zieht Maggie Gyllenhaal bei Besetzung und Ausstattung alle Register. Auch feministische Slogans und Me Too-Reminiszenzen finden sich. Dennoch gelingt der Regisseurin weder ein politisch relevantes Statement noch ein rundum gelungenes Monster-Musical – es bleibt bei einer Nummernrevue. Mehr lesen

Berlinale: furioser Auftakt beim Forum

Das Forum, 1951 von Ulrich und Erika Gregor gegründet und heute vom Arsenal verantwortet, startet in diesem Jahr furios mit zwei ostasiatischen Perlen: Einmal ANYMART, ein japanischer Genrekracher zwischen Horror und Komödie. Und dann MY LIFE aus Südkorea. Der Film des Autors und Regisseurs Chung Ji-young nähert sich einem der gewaltförmigen Traumata des Landes elegant auf drei parallel erzählten Zeitebenen. Feinfühlig, mit Tanz und nuanciertem Schauspiel. Mehr lesen