Es lebe die Braut!

Krawalliges Pastiche: in ihrem Remake des Horror-Klassikers FRANKENSTEINS BRAUT von 1935 zieht Maggie Gyllenhaal bei Besetzung und Ausstattung alle Register. Auch feministische Slogans und Me Too-Reminiszenzen finden sich. Dennoch gelingt der Regisseurin weder ein politisch relevantes Statement noch ein rundum gelungenes Monster-Musical – es bleibt bei einer Nummernrevue. Mehr lesen

Berlinale: furioser Auftakt beim Forum

Das Forum, 1951 von Ulrich und Erika Gregor gegründet und heute vom Arsenal verantwortet, startet in diesem Jahr furios mit zwei ostasiatischen Perlen: Einmal ANYMART, ein japanischer Genrekracher zwischen Horror und Komödie. Und dann MY LIFE aus Südkorea. Der Film des Autors und Regisseurs Chung Ji-young nähert sich einem der gewaltförmigen Traumata des Landes elegant auf drei parallel erzählten Zeitebenen. Feinfühlig, mit Tanz und nuanciertem Schauspiel. Mehr lesen

NO OTHER CHOICE – alternativlos leiden

Man-su, der Protagonist in Park Chan-wooks schwarzhumoriger Komödie NO OTHER CHOICE ist ein Meister der Papierherstellung. Als er arbeitslos wird, beginnt ein mörderischer Kampf um eine neue Anstellung. Besonders stark ist das neue Werk Parks, der seit OLD BOY als Aushängeschild einer bildgewaltig grotesken Spielart südkoreanischen Kinos gilt, wenn er in der Darstellung der dem Untergang geweihten Welt der industriellen Papiererzeugung schwelgt. Trotz einiger Manierismen ein weiterer Meilenstein in der Karriere dieses Regisseurs. Mehr lesen

Fremd ist der Fremde in der Fremde

2026 startet mit einem Klassiker. François Ozon, dessen Werk neben Bemerkenswertem allerlei Mittelmaß enthält, hat mit seiner Adaption von Albert Camus‘ berühmtestem Roman „Der Fremde“ ein eigenes Meisterwerk geschaffen. Neben den akkuraten Schwarzweißbildern von Kameramann Manuel Dacosse betören vor allem die beiden Hauptdarsteller:innen Benjamin Voisin und Rebecca Marder. Und ganz zum Schluss fällt einem wieder ein, wie groß das Genie eines Robert Smith einmal gewesen ist. Mehr lesen

Sehnsucht in Sangerhausen – Stolpern durch die Rosenstadt

In Julian Radlmaiers neuer Komödie SEHNSUCHT IN SANGERHAUSEN stolpern die Figuren durch tiefe ostdeutsche Provinz. Überragt von einem Abraumberg ist die titelgebende sachsen-anhaltinische Kleinstadt ein Ort, an dem der Regisseur die Gegensätze von Prekariat und Bürgertum, Entwurzelten und Fremdenfeinden, Spiel und Arbeitszwang lustvoll aufeinanderprallen lässt. Geprägt werden seine eigenwilligen Betrachtungen durch den von Radlmaier seit seinem Erstling SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES perfektionierten schrägen Blick auf die Verhältnisse. In diesem Fall zieht sich die fragile Solidarität der Protagonist:innen gar durch die Jahrhunderte. Mehr lesen

Das Grummeln der Apokalypse

Elektronische Musik und existenzialistische Wucht verbindet der spanische Regisseur Óliver Laxe in SIRĀT zum packenden Endzeit-Epos. Er schafft damit einen der Filme des Jahres und ein Kunstwerk, das dem Kino seinen Platz als führendes Medium der Reflektion über den Zustand der Welt zurückerobert. Mehr lesen