Unheilige Dreifaltigkeit

Nach seinem Ausflug in Steampunk und Blockbusterkino mit „Poor Things“ enfaltet Yorgos Lanthimos aktuelles Triptychon „Kinds of Kindness“ mit fast identischer Besetzung eine Dreifaltigkeit aus Einsamkeit, Verlorenheit und falschem Glauben. Dabei kehrt der Regisseur, der einst die Greek Weird Wave mitbegründete, zu den Anfängen seines Schaffens zurück. Mehr lesen

Das zweite Buch: Deniz Ohdes „Ich stelle mich schlafend“

Deniz Ohdes Erstling „Streulicht“ war das sprachlich starke Buch einer jungen Autorin, die sehr genaue Bilder für ihre Umwelt fand. Es erzählte die Geschichte einer Befreiung aus engen Verhältnissen durch Bildung. Über „Ich stelle mich schlafend“ sind die Rezensenten nun uneins. Dabei ist das Buch gerade in den Schmerzen, die es beim Lesen bereitet, eher noch stärker geworden. Mehr lesen

Wenn der Erzählfluss in der Wüste versiegt

Faouzi Bensaïdis marokkanisches Roadmovie „Déserts – Für eine Handvoll Dirham“ beginnt als schwarzhumorige Satire und wandelt sich zum surrealen Western. Zwar findet die naturalistische Erzählung zweier Schuldeneintreiber im Pathos der Rachegeschichte des zweiten Teils ein Ende, doch auf dem Weg dorthin versiegt der Erzählfluss des Films, der ganz großes Kino sein will, in der Trockenheit der weiten Landschaft. Mehr lesen

Die Romantik der Rocker

Mit dem Sons of Anarchy Motorcycle Club Redwood Original hat das Rockerwesen vor einiger Zeit auch hierzulande Einzug in Bewusstsein und Wohnzimmer gefunden. Nun liefert Regisseur Jeff Nichols, seit Jahren ein Chronist des ländlichen Amerika, sozugagen die Vorgeschichte. Bevor die Clubs als Organisatoren von Drogenhandel, Waffendeals und Prostitution in die Abgründe des organisierten Verbrechens abtauchten, zeichnet er ihre Anfänge als die einer eigensinnigen Subkultur mit eigener Ästhetik, eigenen Regeln und der Möglichkeit, denen Halt zu geben, die ansonsten aus allen Verhältnissen herausfielen. Mehr lesen

Assimilierung und Untergang 2: Die Zweiflers

Dank des großen, international besetzten Figurenensembles, das bei aller Überzeichnung die Vielschichtigkeit seiner Charaktere auslotet und Schwarzweißzeichnungen vermeidet, gelingt den Zweiflers etwas, das es im deutschen Fernsehen kaum einmal gibt: eine ungeschönte und unverkrampfte Darstellung jüdischen Lebens in Deutschland. Dazu bedient die Serie von David Hadda filmisch gekonnt unterschiedliche Register, stilisiert das Geschehen, zieht immer wieder die Geschwindigkeit an und kommentiert die Handlung mit spektakulären Essens- und Kochbildern. Mehr lesen