31. Dezember 2025 | Eigensinn, Film und Verbrechen
2026 startet mit einem Klassiker. François Ozon, dessen Werk neben Bemerkenswertem allerlei Mittelmaß enthält, hat mit seiner Adaption von Albert Camus‘ berühmtestem Roman „Der Fremde“ ein eigenes Meisterwerk geschaffen. Neben den akkuraten Schwarzweißbildern von Kameramann Manuel Dacosse betören vor allem die beiden Hauptdarsteller:innen Benjamin Voisin und Rebecca Marder. Und ganz zum Schluss fällt einem wieder ein, wie groß das Genie eines Robert Smith einmal gewesen ist. Mehr lesen
27. November 2025 | Eigensinn, Film und Verbrechen
In Julian Radlmaiers neuer Komödie SEHNSUCHT IN SANGERHAUSEN stolpern die Figuren durch tiefe ostdeutsche Provinz. Überragt von einem Abraumberg ist die titelgebende sachsen-anhaltinische Kleinstadt ein Ort, an dem der Regisseur die Gegensätze von Prekariat und Bürgertum, Entwurzelten und Fremdenfeinden, Spiel und Arbeitszwang lustvoll aufeinanderprallen lässt. Geprägt werden seine eigenwilligen Betrachtungen durch den von Radlmaier seit seinem Erstling SELBSTKRITIK EINES BÜRGERLICHEN HUNDES perfektionierten schrägen Blick auf die Verhältnisse. In diesem Fall zieht sich die fragile Solidarität der Protagonist:innen gar durch die Jahrhunderte. Mehr lesen
13. August 2025 | Die andere Seite, Eigensinn, Film und Verbrechen
Elektronische Musik und existenzialistische Wucht verbindet der spanische Regisseur Óliver Laxe in SIRĀT zum packenden Endzeit-Epos. Er schafft damit einen der Filme des Jahres und ein Kunstwerk, das dem Kino seinen Platz als führendes Medium der Reflektion über den Zustand der Welt zurückerobert. Mehr lesen
23. Juli 2025 | Eigensinn, Film und Verbrechen
Vielleicht sind Bilder von Schnee, Bergen und einem Leben im Wechsel der Jahreszeiten genau, was die Welt in ihrem Taumel durch Klimakrise, militärisch ausgetragene Konflikte und autoritäre Regimes gerade braucht. Auch im Winter 1944 ist in Europa noch kein Frieden erkennbar, in Vermiglio jedoch machen sich die Verheerungen des entfernt tobenden Kriegs vor allem im Nahbereich persönlicher Dramen fest. Mit ihrem nach dem Ort der Herkunft ihres Vaters benannten Film hat Maura Delpero ein naturalistisches Kleinod geschaffen. Mehr lesen
29. Mai 2025 | Eigensinn, Film und Verbrechen, Gewalt der Verhältnisse
Mit seinem 12. Film DER PHÖNIZISCHE MEISTERSTREICH erreicht Wes Anderson einen neuen Gipfel seiner Kunst, die heute zu einem großen Teil darin besteht, nun ja, Wes-Anderson-Sachen zu machen. Das ist wie immer unterhaltsam, skurril, lustig, stellenweise gar makaber und selbstredend stilsicher. Insgesamt gerät die im Vergleich zu den Vorgängern recht geradlinig erzählte Fabel über raubtierhaften Durchsetzungswillen und sentimentale Selbstbefragung jedoch zur allzu routinierten Spätkolonialismus-Klamotte. Mehr lesen
5. Mai 2025 | Eigensinn, Film und Verbrechen
Michail Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“ gilt als vielschichtige Satire auf den Totalitarismus, gegen den er die Kraft und den Eigensinn des künstlerischen Individuums in Stellung bringt. (Und die Liebe. Und die Religion. Und den Spaß an der Zerstörung und einiges anderes mehr.) Trotz zahlreicher Versuche haftete ihm immer der Ruch der Unverfilmbarkeit an. Der in den USA geborene und in Russland aufgewachsene Regisseur Michail Lockshin hat sich 2021 dennoch daran gewagt und in seiner Ästhetik die fantastischen Anteile der Geschichte sowie stadtplanerische Visionen eines stalinistischen Groß-Moskau ins Zentrum der Adaption gerückt. Am Tag der Arbeit ist der Film, dessen Entstehung und Erfolg bereits so erzählenswerte wie unwahrscheinliche Geschichten für sich sind, endlich auch hierzulande angelaufen. Mit August Diehl als impossant mephistophelischen Filmteufel. Mehr lesen