One Battle After Another

One Battle After Another

Elf Mal ist Paul Thomas Anderson bereits für einen Oscar nominiert worden. Nie hat er ihn gewonnen. Bisher. Wenn ONE BATTLE AFTER ANOTHER nicht bis zur nächsten Verleihung noch von der Trump-Administration kriminalisiert und aus dem Verkehr gezogen wird (was zum derzeitigen massiven Vorgehen etwa gegen ketzerische Late Night Shows durchaus passen würde), sollte es in dieser Saison endlich soweit sein. Seine aktualisierende Umsetzung von Thomas Pynchons 1990er Roman „Vineland“ ist ein kongenial geratenes Spektakel mit Biss – und großartigen Darstellern, die zu Höchstform auflaufen. Mehr lesen

Petzold-Eskapismus

Petzold-Eskapismus

Während die Übernahme der Welt, wie wir sie kannten, auch in good old Europe immer drastischere Formen annimmt, schwelgt Christian Petzold nostalgisch im eigenen Werk. Mit MIROIRS NO.3, benannt nach einem Klavierstück von Maurice Ravel, schließt er seine Trilogie um Ideen von geheimnisvollen Frauen und Elementargeistern der Romantik ab. Dieses Mal steht Paula Beer im Mittelpunkt eines Films, der beim ersten Betrachten wirkt, als mache er es sich mit seinem Recycling altbekannter Themen allzu einfach. Wer sich davon nicht schrecken lässt, wird jedoch belohnt: mit Bildern und Stimmungen, die in Erinnerung bleiben, eingebettet in ein feines Gespinnst aus häufig nur angedeuteten Handlungssträngen und Motivationen. Mehr lesen

Honey Don’t!

Honey Don’t!

Schon ein Jahr nach ihrem gemeinsamen Erstling, der von der ersten Ankündigung bis zur Premiere immerhin sieben Jahre brauchte, legen Ethan Coen und Ehefrau Tricia Cooke nach. HONEY DON’T! ist der zweite ihrer auf drei Teile angelegten lesbian B-Movie-Reihe. Und im Gegensatz zu DRIVE-AWAY DOLLS ist der Film rundum gelungen. Vor allem selbstverständlich wieder aufgrund von Margaret Qualley, die jede Szene mit rauchiger Stimme, aufrechtem Gang und skeptischem Blick in stets gebügelter Garderobe dominiert. Mehr lesen

Blicke durch die Zeit

Blicke durch die Zeit

IN DIE SONNE SCHAUEN von Mascha Schilinski wurde in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet und geht als deutscher Kandidat ins Rennen um den Oscar als bester internationaler Film. Assoziativ verknüpft Schilinski darin meist schmerzbehafteter Motive aus der Erfahrungswelt weiblicher Heranwachsender aus einem Zeitraum von mehr als hundert Jahren. Das ist in seinen unheimlichen Wiederholungen und Überlagerungen erzählerisch nicht immer bis ins Letzte stringent, betört aber stilistisch durch viele bildnerische und soundtechnische Einfälle, interessante Charaktere und eine Kamera, die schwebt und sich verhält, als sei sie ein eigener, wissender Akteur. Mehr lesen

Back to the 90s

Back to the 90s

Im Kino geht die Rückbesinnung auf Themen, Stile und Lebensgefühl der 90er weiter. Etahan Coens zweiter Teil der zusammen mit Ehefrau Tricia Cooke geschriebenen lesbian B-Movie-Reihe steht in den Starlöchern. Und Darren Aronofsky erinnert sich ebenfalls an früher. Mit CAUGHT STEALING gelingt ihm das kohärent nostalgisch. Mehr lesen

Unruhen in Europa

Im Winter kommt Regen über Europa. Kälte gibt es 2031 nicht mehr. Im Januar beobachten die Menschen, wie Bäume austreiben und fühlen sich in ihren T-Shirts desorientiert. Aber nicht nur das Klima schlägt in Marius Goldhorns zweitem Roman „Die Prozesse“ Kapriolen. Auch politisch ist der Kontinent in Aufruhr. Wie bereits in seinem Erstling „Park“ schildert Goldhorn die Konflikte seiner Figuren – hier ein weltanschaulich kaum harmonierendes Männerpaar – in klaren kurzen Sätzen, tief verstrickt in reale Entwicklungen unserer Zeit. Mehr lesen

Das Grummeln der Apokalypse

Das Grummeln der Apokalypse

Elektronische Musik und existenzialistische Wucht verbindet der spanische Regisseur Óliver Laxe in SIRĀT zum packenden Endzeit-Epos. Er schafft damit einen der Filme des Jahres und ein Kunstwerk, das dem Kino seinen Platz als führendes Medium der Reflektion über den Zustand der Welt zurückerobert. Mehr lesen

The German – Opfer oder Nazischerge?

The German – Opfer oder Nazischerge?

Was nach einer immer aktuellen Frage klingt, steht hier für die Leitidee der neuen israelisch-amerikanischen Serie THE GERMAN aus der Feder von unter anderem Moshe Zonder, der auch an den Drehbüchern von FAUDA mitgeschrieben hat. Entstanden in einem Land im Krieg beschäftigt sich das Familien-, Geschichts- und Sozialdrama damit, mit wieviel Geheimnissen und Verdrängung man leben kann, bis zwangsläufig neue Schuld entsteht. Mehr lesen

Farben der Zeit

Farben der Zeit

Vielleicht sind Bilder von Schnee, Bergen und einem Leben im Wechsel der Jahreszeiten genau, was die Welt in ihrem Taumel durch Klimakrise, militärisch ausgetragene Konflikte und autoritäre Regimes gerade braucht. Auch im Winter 1944 ist in Europa noch kein Frieden erkennbar, in Vermiglio jedoch machen sich die Verheerungen des entfernt tobenden Kriegs vor allem im Nahbereich persönlicher Dramen fest. Mit ihrem nach dem Ort der Herkunft ihres Vaters benannten Film hat Maura Delpero ein naturalistisches Kleinod geschaffen. Mehr lesen

Frisch in den Sommer

Frisch in den Sommer

Bevor mit den beiden frisch gekürten Prix du Jury-Gewinnern aus Cannes, SIRAT (Starttermin: 14.8.) und IN DIE SONNE SCHAUEN (28.8.), Filme anlaufen, die Erwartungen brechen und die Emotionen der Betrachtenden gekonnt in Unruhe versetzen, kommt mit FRISCH von Damian John Harper eine kleine dreckige Genreperle ins Kino, wie es sie in Deutschland höchstens alle paar Jahre einmal gibt. Triggerwarnung: Sie enthält Gewaltszenen, die sicher nicht für allzu sensible Gemüter geeignet sind. Mehr lesen